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News

Autor: Marita Funk
Artikel vom 06.12.2017

Aus der Gemeindegeschichte

Von Grotte, Kreuzweg und noch mehr

Das Fritz’sche-Wohlschieß’sche Grundstück an der Schulstraße

Ein aktiver Mann in der Gemeinde war der Stifter der Wäschenbeurener Lourdesgrotte, Johannes Fritz. Er lebte von 1831 bis 1892 und war von Beruf Zimmermeister. So soll er, dies berichtet Josef Kleinknecht in seinem Heimatbuch von 1979, in der Heubeund acht größere Bauernhäuser schlüsselfertig erstellt haben. In der bürgerlichen Gemeinde wirkte er als Gemeindepfleger und Akziser; so steht es auf seinem Sterbebildchen. Der Gemeindepfleger wird heute als Kämmerer bezeichnet, unter Akziser kann man einen Steuereinnehmer verstehen. Die Steuern wurden in der damaligen Zeit entweder auf dem Rathaus eingezahlt oder an der Haustür eingezogen. Im Sterbebuch der Kirchengemeinde ist noch eine weitere Tätigkeit in der Gemeinde vermerkt: Heiligenpfleger. Unter dem „Heiligen“ verstand man damals das Vermögen der Kirchengemeinde.

Bei der Grotte handelt es sich um eine Nachbildung der Grotte von Massabielle bei Lourdes in Südfrankreich. In dieser Höhle soll 1858 Bernadette Soubirous die Gottesmutter erschienen sein. An der Stelle der Marienerscheinung wurde 1864 eine Madonnenfigur aufgestellt, die nach Angaben von Bernadette gefertigt worden ist. Besonders gegen Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in katholischen Regionen Grotten nach dem Urbild von Lourdes geschaffen. Allein im Saarland sind 110 Grotten bekannt. Die Lourdesgrotten wurden oft Ziele von lokalen Wallfahrten. Viele Lourdesgrotten entstanden in Eigenleistung von Privatpersonen auf Grund von Gelübden: Als Dank für eine Heilung von Krankheit, nach einer glücklichen Heimkehr aus dem Krieg, aus Freude über eine Rettung aus großer Gefahr.

Eine originelle Deutung des Namens Grotte konnte man vor einigen Jahren in Wäschenbeuren lesen. In der Nacht zum 1. Mai waren die historischen Informationstafeln mit alternativen Tafeln zugehängt worden. Auf der Tafel bei der Grotte konnte man unter anderem lesen: Auch die Jugend suchte schon immer den Weg zu der Gedenkstätte. Zudem war es früher einer der ersten Treffs, wo man sich näher kommen konnte. Die Namensgebung soll laut Überlieferung lange gedauert haben. So soll es bei einem früheren Treffen von einem jungen Paar zum Ausspruch gekommen sein: „Ha, du bisch ja a netta Grott!“ Da sich diese Treffen häuften, kam es dann irgendwie zur Benennung der Grotte.

Johannes Fritz wurde 1831 in Birenbach geboren. Er heiratete Maria Magdalena Nägele aus Wäschenbeuren und wurde so Besitzer des Anwesens an der Schulstraße, gegenüber dem 1969 abgerissenen alten Schulhaus. Das Ehepaar Fritz hatte keine leiblichen Kinder, nahm aber als Pflegetochter die 1864 in Göppingen geborene Maria Kurz an. Im Januar 1892 starb Johannes Fritz. Im gleichen Jahr wurde die Lourdesgrotte auf dem Fritz’schen Grundstück als Stiftung der Familie Fritz errichtet. Es lässt sich wohl nicht mehr klären, ob die Stiftung zu seinen Lebzeiten gemacht wurde, ob es der letzte Wille des Verstorbenen war oder ob von seiner Witwe die Stiftung ausgegangen ist. Auf dem Grundstück der Familie Fritz wurde drei Jahre später, 1895, der Kreuzweg errichtet. Die Stelen für die Stationen fertigte der Wäschenbeurener Steinhauer Hintrager, die Darstellungen in Terrakotta kamen aus München. Das ganze soll, laut Pfarrchronik, 3 000 Mark gekostet haben. „Milde Gaben“ der Gläubigen hätten zur Deckung der Kosten beigetragen.

Die Pflegetochter Maria heiratete 1886 den Steuerwächter (vermutlich ist mit dieser Berufsangabe ein Steuereinnehmer gemeint) Josef Anton Wohlschieß aus Bopfingen. Dieser wurde später Bürgermeister in Uttenweiler im Kreis Biberach. Mir sind die Kinder Alfons und Rosa, die in Wäschenbeuren lebten, noch in Erinnerung. Ob es weitere Kinder gab, ist mir nicht bekannt. Rosa Wohlschieß, die ledig geblieben war, starb 1977 im Alter von 85 Jahren. Ihr Bruder Alfons, von dem vermerkt ist, dass er in Biberach geboren wurde, starb im gleichen Jahr im Alter von 68 Jahren in Marling in Südtirol (wohl im Urlaub). Rosa Wohlschieß wohnte im angestammten Gebäude der Familie an der Schulstraße, Alfons Wohlschieß baute zusammen mit seiner Frau sein Haus am Ende des großen Familiengrundstücks am Friedhofweg. Von Rosa Wohlschieß wird erzählt, dass sie in der Nachkriegzeit in der Schule die Hooverspeisung ausgegeben habe. Alfons Wohlschieß betätigte sich als Handelsvertreter. Manche junge Frau bezog ihre Aussteuer, beispielweise Besteck von der WMF und Wäsche aus Laichingen, über ihn. Die Ehe von Alfons und Hedwig Wohlschieß blieb kinderlos. In dem Haus östlich der Grotte lebt heute die Familie Müller.

Bürgermeister Schleicher erwarb während seiner Amtszeit (1947 – 1952) das Haus und das Grundstück. Das Bauernhaus wurde zur Schwesternstation St. Elisabeth umgebaut, die 1957 von den drei Marchtaler Schwestern – der Kindergartenschwester Juventina, der Krankenschwester Finzella und der Schwester Oberin Vannosa – bezogen wurde. Der daran angebaute Kindergarten, der heutige Regenbogen-Kindergarten, wurde 1958 in Betrieb genommen. 1972 kam auf dem großen Grundstück der Katholische  Kindergarten hinzu - von der Göppinger Firma Kübler in Fertigbauweise errichtet.

 

Bedanken darf ich mich bei der Pfarrsekretärin Claudia Singer für ihre Mithilfe bei meiner Recherche im Archiv der katholischen Kirchengemeinde und bei Ludwig Nolz. der das Sterbebildchen von Johannes Fritz beisteuerte.

 

 Peter Schührer